Man muss sich wehren, sich zusammenschließen, mit den Arbeitgebern über die Arbeitsbedingungen verhandeln - das war die Basis für die Gründung erster Arbeitervereine. Diese Zusammenschlüsse wurden vom Staat bekämpft, Treffen wurden verboten, es dauerte Jahrzehnte, bis die Gewerkschaften als Verhandlungs- und Tarifvertragspartei akzeptiert waren. Auch heute gibt es noch Arbeitgeber, die mit den Gewerkschaften keine Verhandlungen führen und keine Tarifverträge abschließen wollen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Industriebetriebe. Im Gegensatz zum kleinen Handwerksmeister waren sie in der Lage, mit mehr Menschen und erstmals mit Maschinen eine größere Masse an Produkten herzustellen. Die in diesen Betrieben beschäftigten Menschen machten die Erfahrung, dass sie eine Organisation gründen müssen, um ihre Interessen gegen die Arbeitgeber durchzusetzen. Diese Interessen bestanden u.a. in der Forderung nach mehr Lohn und finanzieller nterstützung bei Krankheit. Es fällt heute schwer, sich vorzustellen, dass es damals keinen 8-Stunden-Tag, sondern Arbeitszeiten von 12 bis 16 Stunden, keine Urlaubsregelung und nur Hungerlöhne gab. Kinderarbeit in Fabriken war an der Tagesordnung.
Es konnte also nur gemeinsam Abhilfe geschaffen werden. Der/die Einzelne war (und ist es noch heute) nahezu ohnmächtig dem Interesse des Arbeitgebers ausgeliefert, das darin bestand (und besteht), mit möglichst geringem Aufwand den größtmöglichen Profit zu erzielen. Aus der Erkenntnis, dass die ArbeiterInnen und Angestellten nur durch Zusammenschluss ihr Los verbessern können, entstanden die Gewerkschaften. Lange Zeit waren sie zersplittert in Berufsverbände, getrennt nach ArbeiterInnen, Angestellten und Beamten.
Darüber hinaus waren sie gespalten durch politische oder religiöse Richtungen. Diese einzelnen Gewerkschaften erkannten mit der Zeit immer mehr, dass sie ihre Kraft bündeln müssen. So entstanden die ersten Dachverbände.
Zum Ende der Weimarer Republik existierten vier politisch orientierte Dachverbände der sozialistischen, der christlichen, der kommunistischen und der liberalen GewerkschafterInnen.
Es gab Gespräche über einen Zusammenschluss der Verbände, die jedoch 1933 mit der Machtübernahme der Nazis endeten. Die Gewerkschaften wurden von den Nationalsozialisten zerschlagen. Zehntausende GewerkschafterInnen kämpften weiter, trotz blutiger Verfolgung durch die Nazis. Tausende mussten in diesem Kampf ihr Leben lassen. Nach der Befreiung vom Hitler Regime 1945 gründeten die GewerkschafterInnen, die den braunen Terror überlebt hatten, in den Westzonen die heutigen Mitgliedsgewerkschaften mit ihrem Dachverband Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB). Mit der Schaffung der Einheitsgewerkschaft wurde die Trennung der GewerkschafterInnen in politische und weltanschauliche Richtungen überwunden.
Für die heutige Gewerkschaftsbewegung gilt das Prinzip: „Ein Betrieb – eine Gewerkschaft“.
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